Neuer Immobilienmarktbericht für Würzburg (2024) – Zahlen, Entwicklungen & Einordnung

Kla­re Zah­len statt sub­jek­ti­ver Ein­schät­zun­gen

Der Immo­bi­li­en­markt­be­richt 2024 für die Stadt Würz­burg bie­tet eine fun­dier­te, daten­ba­sier­te Über­sicht über die Ent­wick­lung des loka­len Immo­bi­li­en­mark­tes im ver­gan­ge­nen Jahr. Die Grund­la­ge bil­den mehr als 1.200 nota­ri­ell beur­kun­de­te Kauf­fäl­le, die detail­liert ana­ly­siert und aus­ge­wer­tet wur­den. Anders als per­sön­li­che Markt­mei­nun­gen lie­fert die­ser Bericht eine objek­ti­ve, flä­chen­de­cken­de Aus­wer­tung – und ist daher eine wert­vol­le Ent­schei­dungs­hil­fe für alle, die in Würz­burg kau­fen oder ver­kau­fen möch­ten.

📈 1. Grund­stü­cke: Deut­li­ches Preis­wachs­tum – +22 % im Medi­an

Der auf­fäl­ligs­te Trend zeigt sich im Bereich der unbe­bau­ten Grund­stü­cke. Hier ver­zeich­ne­te der Bericht einen Medi­an-Preis­an­stieg von 22 % im Ver­gleich zum Vor­jahr. Das unter­streicht die anhal­tend hohe Nach­fra­ge nach Bau­grund – sowohl für pri­va­te Eigen­hei­me als auch für Pro­jekt­ent­wick­lun­gen.

In Zah­len:

  • 115 Kauf­fäl­le unbe­bau­ter Grund­stü­cke
  • Gesamt­flä­che: ca. 30 Hekt­ar
  • Geld­um­satz: ca. 40 Mio. €

Vor allem eigen­stän­dig bebau­ba­re Bau­plät­ze ver­teu­er­ten sich spür­bar. Die­ser Anstieg zeigt, dass das vor­han­de­ne Ange­bot mit der star­ken Nach­fra­ge nicht Schritt hält. In Kom­bi­na­ti­on mit begrenz­ten Neu­bau­flä­chen deu­tet dies auf eine Ver­knap­pung hin, die in den kom­men­den Jah­ren wei­ter an Bedeu­tung gewin­nen könn­te.

🏢 2. Eigen­tums­woh­nun­gen: Seit­wärts­trend am Markt

Im Seg­ment Woh­nungs­ei­gen­tum zeigt sich eine deut­lich ruhi­ge­re Ent­wick­lung. Die Ver­kaufs­prei­se für Woh­nun­gen blie­ben im Ver­gleich zum Vor­jahr weit­ge­hend sta­bil – ein Hin­weis auf eine Kon­so­li­die­rung des Mark­tes nach den Preis­an­stie­gen der Vor­jah­re.

Daten aus dem Bericht:

  • 714 ver­kauf­te Woh­nun­gen in 2024
  • 566 davon aus dem Bestand
  • 64 Neu­bau­woh­nun­gen
  • Gesamt­vo­lu­men: rund 193 Mio. €

Beson­ders Bestands­woh­nun­gen blei­ben gefragt, was sowohl mit der zen­tra­len Lage vie­ler Objek­te als auch mit begrenz­ten Alter­na­ti­ven im Neu­bau zusam­men­hängt. Für Käufer:innen bie­tet die­ser Trend mehr Pla­nungs­si­cher­heit, da kei­ne sprung­haf­ten Preis­be­we­gun­gen zu erwar­ten sind.

🏠 3. Ein­fa­mi­li­en­häu­ser: Rück­läu­fi­ge Prei­se durch ver­än­der­te Markt­be­din­gun­gen

Ein kla­rer Abwärts­trend zeigt sich im Bereich der frei­ste­hen­den Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­häu­ser. Im Ver­gleich zu den Vor­jah­ren sind die Prei­se spür­bar gesun­ken – eine Fol­ge meh­re­rer Fak­to­ren: gestie­ge­ne Zin­sen, zurück­hal­ten­de­re Finan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten sowie wach­sen­de Anfor­de­run­gen an die Ener­gie­ef­fi­zi­enz von Bestands­im­mo­bi­li­en.

Käufer:innen prü­fen heu­te ver­stärkt tech­ni­sche Details wie Däm­mung, Hei­zungs­art oder Sanie­rungs­be­darf. Zwar konn­te im Bericht noch kein direk­ter Zusam­men­hang zwi­schen Ener­gie­klas­se und Preis belegt wer­den, doch im All­tag zeigt sich: Immo­bi­li­en mit schlech­ter Effi­zi­enz­klas­se benö­ti­gen oft län­ge­re Ver­mark­tungs­zei­ten – oder müs­sen preis­lich ange­passt wer­den.

Für Verkäufer:innen bedeu­tet das: Eine sorg­fäl­ti­ge Vor­be­rei­tung der Immo­bi­lie – z. B. durch aktu­el­le Ener­gie­aus­wei­se oder trans­pa­ren­te Infor­ma­tio­nen über Moder­ni­sie­run­gen – wird immer wich­ti­ger.

🏗️ 4. Neu­bau­woh­nun­gen: Hohe Kos­ten brem­sen den Markt

Ein beson­ders nied­ri­ger Markt­an­teil ergibt sich bei neu­en Eigen­tums­woh­nun­gen. Nur 64 von über 700 ver­kauf­ten Ein­hei­ten ent­fie­len 2024 auf Neu­bau­pro­jek­te – das ent­spricht einem Anteil von unter 10 %.

Die Grün­de lie­gen auf der Hand:

  • Hohe Bau­kos­ten
  • Stren­ge ener­ge­ti­sche Anfor­de­run­gen
  • Finan­zie­rungs­druck durch gestie­ge­ne Zin­sen

Der Immo­bi­li­en­markt­be­richt zeigt, dass es zuneh­mend schwie­ri­ger wird, Neu­bau­pro­jek­te wirt­schaft­lich umzu­set­zen. Die benö­tig­te Net­to­kalt­mie­te, um bei durch­schnitt­li­cher Qua­li­tät kos­ten­de­ckend zu arbei­ten, liegt mitt­ler­wei­le bei 22 bis 24€/m². Das ist für vie­le Haus­hal­te nicht mehr leist­bar.

Gleich­zei­tig führt die gerin­ge Neu­bau­tä­tig­keit lang­fris­tig zu einem nied­ri­ge­ren Woh­nungs­an­ge­bot – ins­be­son­de­re im Bereich moder­ner, ener­ge­tisch hoch­wer­ti­ger Woh­nun­gen.

🏙️ 5. Wohn­raum­be­darf in der Stadt: Nach­ver­dich­tung als Per­spek­ti­ve

Ange­sichts begrenz­ter Flä­chen­re­ser­ven und hoher Bau­kos­ten gewinnt die Ver­dich­tung bestehen­der Wohn­flä­chen zuneh­mend an Bedeu­tung. Mög­lich­kei­ten wie Auf­sto­ckung oder Erwei­te­rung wer­den städ­te­bau­lich dis­ku­tiert – auch wenn sie pla­ne­risch nicht über­all ein­fach umzu­set­zen sind.

Der Bericht selbst ent­hält hier­zu kei­ne nor­ma­ti­ve Ein­schät­zung, ver­weist aber durch die Zah­len­la­ge auf einen kla­ren Trend: Wenn Neu­bau­flä­chen knapp und teu­er sind, könn­ten bestehen­de Gebäu­de ver­stärkt in den Fokus rücken – sei es durch Umnut­zung, Moder­ni­sie­rung oder bau­li­che Erwei­te­rung.

  1. Fazit: Ent­wick­lun­gen im Über­blick

Der Immo­bi­li­en­markt­be­richt Würz­burg 2024/2025 zeigt eine aus­dif­fe­ren­zier­te Markt­si­tua­ti­on: Eini­ge Seg­men­te ver­zeich­nen Preis­stei­ge­run­gen, ande­re fal­len zurück – ein Hin­weis dar­auf, dass sich der Markt nach einer lan­gen Wachs­tums­pha­se zuneh­mend dif­fe­ren­ziert. Hier sind die Kern­er­geb­nis­se noch ein­mal kom­pakt zusam­men­ge­fasst:

Seg­ment Ent­wick­lung
Grund­stü­cke +22 % Medi­an­preis, star­ke Nach­fra­ge
Eigen­tums­woh­nun­gen Sta­bi­le Prei­se, kei­ne gro­ßen Aus­schlä­ge
Ein­fa­mi­li­en­häu­ser Preis­rück­gän­ge durch Zins- & Effi­zi­enz­the­men
Neu­bau­ten Markt­an­teil <10 %, stark gestie­ge­ne Bau­kos­ten
Ener­gie­ef­fi­zi­enz Rele­vanz steigt, Käufer:innen wer­den sen­si­bler

Für Immo­bi­li­en­in­ter­es­sier­te, Eigentümer:innen oder Investor:innen bie­tet der Bericht eine fun­dier­te Ori­en­tie­rung – und zeigt gleich­zei­tig, dass der Markt zuneh­mend dif­fe­ren­ziert betrach­tet wer­den muss. Wer erfolg­reich kau­fen oder ver­kau­fen möch­te, soll­te die loka­len Ent­wick­lun­gen gut ken­nen – und sich pro­fes­sio­nell bera­ten las­sen.

Tipp: Der voll­stän­di­ge Immo­bi­li­en­markt­be­richt kann über die Stadt Würz­burg (Gut­ach­ter­aus­schuss) gegen eine Schutz­ge­bühr bezo­gen wer­den. Er lie­fert neben die­sen Kern­aus­sa­gen vie­le wei­te­re Aus­wer­tun­gen – von Preis­in­di­zes bis zu Zwangs­ver­stei­ge­run­gen.