Wohneigentum in Deutschland: Warum immer weniger Menschen im eigenen Zuhause wohnen

Deutsch­land gilt seit Jahr­zehn­ten als ein Land der Mie­ter. Doch aktu­el­le Zah­len zei­gen: Der Anteil der Men­schen, die in den eige­nen vier Wän­den leben, ist nicht nur nied­rig – er sinkt sogar wei­ter.

Die­se Ent­wick­lung hat weit­rei­chen­de Fol­gen für Ver­mö­gens­bil­dung, Alters­vor­sor­ge und den gesam­ten Immo­bi­li­en­markt.

Wohn­ei­gen­tums­quo­te: Ein inter­na­tio­na­ler Son­der­fall

Im euro­päi­schen Ver­gleich fällt Deutsch­land deut­lich auf. Wäh­rend in vie­len Län­dern mehr als zwei Drit­tel der Haus­hal­te Eigen­tü­mer ihrer Woh­nung oder ihres Hau­ses sind, liegt Deutsch­land deut­lich dar­un­ter.

Aktu­el­le Aus­wer­tun­gen zei­gen:

  • 2011: rund 44,9 % der Woh­nun­gen wur­den von Eigen­tü­mern selbst genutzt

  • 2022: nur noch etwa 44 %

Damit gehört Deutsch­land zu den Län­dern mit der nied­rigs­ten Wohn­ei­gen­tums­quo­te in Euro­pa.

Das bedeu­tet: Mehr als die Hälf­te der Haus­hal­te lebt dau­er­haft zur Mie­te.

War­um immer weni­ger Men­schen Eigen­tum erwer­ben

Der Rück­gang hat meh­re­re Ursa­chen. Ent­schei­dend sind wirt­schaft­li­che, poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Fak­to­ren.

1. Stark gestie­ge­ne Immo­bi­li­en­prei­se

In vie­len Regio­nen sind Immo­bi­li­en­prei­se in den letz­ten Jah­ren deut­lich schnel­ler gestie­gen als Ein­kom­men.

Gleich­zei­tig haben sich meh­re­re Ent­wick­lun­gen über­la­gert:

  • hohe Nach­fra­ge nach Wohn­raum in wirt­schaft­lich star­ken Regio­nen

  • zu gerin­ge Bau­tä­tig­keit

  • stei­gen­de Bau­kos­ten

Dadurch bleibt das Ange­bot hin­ter der Nach­fra­ge zurück und Prei­se stei­gen wei­ter.

Für vie­le Haus­hal­te wird Eigen­tum dadurch schlicht uner­schwing­lich.


2. Höhe­re Finan­zie­rungs­kos­ten

Ein wei­te­rer Fak­tor sind die gestie­ge­nen Bau­zin­sen.

In Kom­bi­na­ti­on mit hohen Kauf­prei­sen führt das dazu, dass Käu­fer heu­te deut­lich mehr Ein­kom­men für eine Finan­zie­rung auf­brin­gen müs­sen. In man­chen Regio­nen kön­nen die monat­li­chen Belas­tun­gen bereits über ein Drit­tel des Haus­halts­ein­kom­mens betra­gen.

Gera­de jun­ge Fami­li­en ver­schie­ben des­halb den Immo­bi­li­en­kauf oder geben ihn ganz auf.


3. Hohe Kauf­ne­ben­kos­ten

Beim Immo­bi­li­en­kauf ent­ste­hen neben dem Kauf­preis erheb­li­che zusätz­li­che Kos­ten:

Typi­sche Neben­kos­ten:

  • Grund­er­werb­steu­er

  • Notar­kos­ten

  • Grund­buch­kos­ten

  • Mak­ler­pro­vi­si­on

Allein die Grund­er­werb­steu­er liegt je nach Bun­des­land zwi­schen 3,5 % und 6,5 % des Kauf­prei­ses.

In vie­len Fäl­len sum­mie­ren sich die gesam­ten Neben­kos­ten auf 10–15 % des Kauf­prei­ses – ein Betrag, der voll­stän­dig aus Eigen­ka­pi­tal bezahlt wer­den muss.


4. Gesell­schaft­li­che Ver­än­de­run­gen

Auch struk­tu­rel­le Trends spie­len eine Rol­le:

  • Men­schen grün­den spä­ter Fami­li­en

  • Haus­hal­te wer­den klei­ner

  • Mobi­li­tät im Berufs­le­ben steigt

Da Wohn­ei­gen­tum häu­fig mit der Fami­li­en­grün­dung ver­bun­den ist, sinkt die Eigen­tums­quo­te auto­ma­tisch, wenn die­ser Lebens­ab­schnitt spä­ter ein­tritt.


War­um Wohn­ei­gen­tum gesell­schaft­lich wich­tig ist

Der Rück­gang der Wohn­ei­gen­tums­quo­te betrifft nicht nur den Immo­bi­li­en­markt, son­dern auch gesell­schaft­li­che The­men.

Eigen­tum erfüllt meh­re­re Funk­tio­nen:

1. Ver­mö­gens­bil­dung

Immo­bi­li­en sind für vie­le Haus­hal­te der wich­tigs­te Bau­stein zum Ver­mö­gens­auf­bau.

2. Alters­vor­sor­ge

Wer im Alter miet­frei wohnt, redu­ziert sei­ne Lebens­hal­tungs­kos­ten erheb­lich.

3. Sta­bi­li­tät im Woh­nungs­markt

Eigen­tü­mer blei­ben häu­fig lang­fris­tig in einer Immo­bi­lie und sor­gen damit für sta­bi­le Nach­bar­schaf­ten.

Sinkt die Eigen­tums­quo­te dau­er­haft, kann sich auch die Ver­mö­gens­un­gleich­heit ver­stär­ken, da Immo­bi­li­en­be­sitz ein wich­ti­ger Bestand­teil des pri­va­ten Ver­mö­gens ist.


Was pas­sie­ren müss­te, um Wohn­ei­gen­tum wie­der zu för­dern

Vie­le Exper­ten sehen meh­re­re Ansatz­punk­te, um den Zugang zu Eigen­tum zu erleich­tern:

Mög­li­che Maß­nah­men:

  • Sen­kung oder Frei­be­trä­ge bei der Grund­er­werb­steu­er

  • För­der­pro­gram­me für Erst­käu­fer

  • beschleu­nig­te Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren im Woh­nungs­bau

  • mehr Bau­land in wach­sen­den Regio­nen

Auch eine stär­ke­re För­de­rung von Eigen­tum könn­te lang­fris­tig hel­fen, Ver­mö­gens­bil­dung brei­ter in der Bevöl­ke­rung zu ver­an­kern.


Fazit

Der Traum vom Eigen­heim ist in Deutsch­land wei­ter­hin stark ver­brei­tet – doch für vie­le Men­schen wird er immer schwe­rer erreich­bar.

Stei­gen­de Immo­bi­li­en­prei­se, höhe­re Finan­zie­rungs­kos­ten und hohe Kauf­ne­ben­kos­ten füh­ren dazu, dass immer weni­ger Haus­hal­te den Schritt ins Eigen­tum schaf­fen.

Für Poli­tik, Wirt­schaft und Gesell­schaft stellt sich des­halb eine zen­tra­le Fra­ge:

Wie kann Wohn­ei­gen­tum wie­der für brei­te­re Bevöl­ke­rungs­schich­ten erreich­bar wer­den?